Agent 365 Lizenz: Wer braucht sie wirklich?
Der Agent selbst braucht nie eine Agent-365-Lizenz. Solange in Ihrer Microsoft-365-Umgebung niemand eine Agent-365-Lizenz hat, braucht sie auch sonst niemand. Mitgezählt wird dabei auch Microsoft 365 E7, denn das Paket enthält Agent 365. Ab der ersten Lizenz ändert sich das. Dann brauchen mindestens alle eine Lizenz, deren Zugriffsrechte ein Agent nutzt. Dazu kommen die Verantwortlichen von Agenten, die mit eigenen Rechten arbeiten. Ob auch jeder andere Nutzer zählt, lässt Microsoft offen.
Microsoft Agent 365 ist die Steuerungsebene für KI-Agenten in Microsoft 365. Es zeigt, welche Agenten es gibt, gibt ihnen eine verwaltete Identität und schützt sie mit Richtlinien. Das gilt für Agenten aus Copilot Studio, Microsofts Baukasten für eigene Agenten, ebenso wie für Agenten von Drittanbietern. Seit dem 1. Mai 2026 ist Agent 365 allgemein verfügbar und wird pro Nutzer lizenziert.
Es gibt zwei Wege zur Lizenz. Agent 365 gibt es als Zusatz für 13,00 € je Nutzer und Monat im Jahresabo. Oder es kommt als Teil von Microsoft 365 E7. E7 ist Microsofts neues Spitzenpaket und bündelt E5, Microsoft 365 Copilot und Agent 365 (Listenpreise, Stand Oktober 2026). Die Lizenzfrage lautet also nie „wie viele Agenten?", sondern immer „welche Menschen?".
Welche Begriffe brauchen Sie für die Lizenzfrage?
Vier Begriffe tragen den ganzen Artikel. Wer sie kennt, versteht jede Regel weiter unten.
1. Der Mandant. So heißt Ihre Microsoft-365-Umgebung mit allen Nutzern, Lizenzen und Einstellungen, englisch Tenant. Manche Funktionen wirken für den ganzen Mandanten, egal wer die Lizenz hat. Das wird weiter unten entscheidend.
2. Die Agent ID. Microsoft Entra ist der Identitätsdienst von Microsoft 365, früher hieß er Azure AD. Dort kann ein Agent eine eigene Identität bekommen, die Agent ID. Sie funktioniert ähnlich wie ein Benutzerkonto, nur ohne Passwort.
3. Mit Ihren Rechten oder mit eigenen. Ein Agent kann auf zwei Arten auf Daten zugreifen:
- Mit den Rechten einer Person. Der Agent liest Ihr Postfach oder durchsucht Ihre Dateien, und er sieht dabei nur, was Sie sehen dürfen. Microsoft nennt das On-Behalf-Of, kurz OBO: Der Agent handelt in Ihrem Auftrag.
- Mit eigener Identität. Der Agent hat eigene Berechtigungen, unabhängig davon, wer ihn gerade benutzt. Ein Beispiel ist ein HR-Agent der Personalabteilung, der auf die Personaldatenbank zugreift, auch wenn die fragende Person das selbst nicht dürfte. Oder ein Agent, der zeitgesteuert im Hintergrund arbeitet, ohne dass jemand angemeldet ist.
OBO ist dabei kein Agententyp, sondern eine Art der Anmeldung. Ein und derselbe Agent kann je nach Aufgabe beides nutzen. Und Vorsicht vor einer Verwechslung: Eine Agent ID zu haben heißt noch nicht, mit eigener Identität zu arbeiten. Auch ein Agent mit Agent ID greift oft mit den Rechten der Person zu.
4. Grund- und Premiumfunktionen. Ein Teil von Agent 365 steht jedem Mandanten ohne Lizenz zur Verfügung. Dazu gehören das Verzeichnis aller Agenten, Blockieren, Löschen, Basis-Nutzungszahlen und das Überwachungsprotokoll. Das sind die Grundfunktionen. Alles darüber hinaus sind Premiumfunktionen. Dazu zählen etwa der Schutz vor Angriffen auf Agenten, Datenverlust-Schutz (DLP) für Agenten und Zugriffsregeln für Agenten.
Die Lizenzpflicht hängt an den Premiumfunktionen. Wer nur Grundfunktionen nutzt, braucht keine Lizenz. Und viele Premiumfunktionen schalten sich mit der ersten Lizenz für den ganzen Mandanten ein. Was das bedeutet, zeigt der Abschnitt „Warum die erste Lizenz alles verändert".
Wer braucht eine Agent-365-Lizenz? Der Überblick
Mit diesen Begriffen lässt sich die Frage für jede Rolle beantworten:
| Rolle | Braucht eine Agent-365-Lizenz? | Bedingung |
|---|---|---|
| Der Agent selbst | nein, nie | Agenten zählen nicht als Lizenzeinheit |
| Verantwortliche des Agenten (Owner, Sponsor, Manager) | ja | bei Agenten mit eigener Identität, ab der ersten Lizenz im Mandanten |
| Wer Agenten baut | nicht fürs Bauen | wird automatisch Sponsor, pflichtig bei Agenten mit eigener Identität |
| Admin, der Agenten verwaltet | nicht für die Rolle | nur wenn er als Verantwortlicher eingetragen ist |
| Wer einem Agenten seine Rechte leiht (OBO) | ja | ab der ersten Lizenz im Mandanten |
| Wer nur mit einem Agenten mit eigener Identität chattet | empfohlen | Pflicht nur nach der strengen Lesart* |
* Was die strenge Lesart bedeutet. Microsofts Lizenz-FAQ zu Agent 365 nennt als Pflicht ausdrücklich nur zwei Gruppen. Das sind Menschen, die einem Agenten ihre Rechte leihen, und die Verantwortlichen von Agenten mit eigener Identität. Allen anderen empfiehlt sie die Lizenz nur. Dieselbe FAQ bindet die Lizenz an anderer Stelle aber an jeden, der von den Aktionen eines Agenten profitiert. Daraus ergeben sich zwei Auslegungen. Am Wortlaut gelesen lizenzieren Sie nur die ausdrücklich genannten Gruppen. Streng gelesen braucht auch eine Lizenz, wer nur chattet, sobald Premiumfunktionen den Agenten schützen. Die strenge Auslegung folgt dem Muster, das Microsoft bei anderen Diensten festschreibt, etwa bei Defender for Office 365 und Purview. Verbindlich ist am Ende Ihr Vertrag mit den Produktbedingungen. Sie verlangen eine Lizenz für jeden Nutzer, der auf einen Dienst zugreift. Beide Lesarten im Vergleich und unsere Empfehlung stehen in den Abschnitten „Brauchen alle Nutzer eines Agenten eine Lizenz?" und „Welche Lesart sollten Sie anwenden?".
Die folgenden Abschnitte gehen die Rollen in dieser Reihenfolge durch.
Braucht der Agent selbst eine Lizenz?
Nein. Microsoft stellt in seiner offiziellen Lizenz-FAQ zu Agent 365 klar: „Agents do not require their own licenses." Auch die Vorlagen, aus denen Agenten entstehen (Blueprints), und einzelne Kopien eines Agenten zählen nicht als Lizenzeinheit.
Eine Lizenz deckt alle Agenten, die mit dieser Person verbunden sind. Eine Obergrenze nennt Microsoft nicht: Wer zehn Agenten verantwortet, braucht eine Lizenz, nicht zehn. Bezahlt wird je Mensch, nicht je Agent.
Eine Ausnahme sieht nur auf den ersten Blick wie eine Agenten-Lizenz aus. In Frontier, Microsofts Vorabprogramm für neue KI-Funktionen, kann ein Agent ein eigenes Benutzerkonto bekommen. Dazu gehören Postfach, OneDrive und ein Platz im Organigramm. Dieses Konto kann Lizenzen halten, damit Postfach und Speicher funktionieren. Das sind Lizenzen für Microsoft-365-Dienste, keine Agent-365-Lizenz.
Wer für den Agenten geradesteht: Owner, Sponsor, Manager
Hat ein Agent eine Agent ID, sind in Entra Menschen für ihn eingetragen. Es gibt drei Rollen:
| Rolle | Aufgabe | Pflichtfeld? |
|---|---|---|
| Owner | technische Verwaltung: Einstellungen, Zugangsdaten, Wiederherstellen | nein |
| Sponsor | fachliche Verantwortung: Zweck, Zugriffsprüfungen, Weiterbetrieb oder Abschaltung | ja, jeder Agent braucht einen |
| Manager | Platz im Organigramm: die Person, an die der Agent „berichtet" | nein |
Für Agenten, die mit eigener Identität auf Daten zugreifen, verlangt Microsoft die Lizenz genau bei diesen Verantwortlichen. Microsofts eigenes Beispiel ist ein HR-Agent, der Fragen der Belegschaft beantwortet. Pflichtig sind Owner, Sponsor oder Manager, nicht automatisch jeder, der eine Frage stellt.
Vorsicht bei Gruppen. Sponsor kann auch eine Gruppe sein, etwa eine Gruppe, deren Mitglieder sich automatisch nach Regeln ergeben. Dann haben alle Mitglieder Sponsorrechte. Ob damit jedes Mitglied lizenzpflichtig wird, sagt Microsoft nicht ausdrücklich. Wer vorsichtig liest, geht davon aus. Eine kleine, benannte Sponsor-Gruppe ist deshalb günstiger als die ganze Abteilung.
Braucht, wer Agenten baut, eine Agent-365-Lizenz?
Fürs Bauen nicht. Wer Agenten erstellt, braucht eine Lizenz für das Werkzeug, in Copilot Studio etwa die Copilot-Studio-Nutzerlizenz. Agent 365 gehört nicht dazu. Microsoft hat das im März 2026, noch vor dem Marktstart, in einer öffentlichen Fragerunde bestätigt.
Die Falle liegt eine Ebene tiefer. Seit Mai 2026 legt Copilot Studio für jeden neuen Agenten automatisch eine Agent ID an. Abschalten lässt sich das nicht mehr. Entra trägt dabei die Person, die den Agenten erstellt, automatisch als Sponsor ein.
Aus dem Ersteller wird so ein Verantwortlicher im Sinne des vorigen Abschnitts. Pflichtig wird er als Sponsor, sobald sein Agent mit eigener Identität arbeitet, etwa zeitgesteuert im Hintergrund. Lassen Sie zwanzig Fachanwender solche Agenten bauen, haben Sie zwanzig pflichtige Sponsoren, ob das jemand so geplant hat oder nicht.
Tragen Sie den Sponsor deshalb bewusst um: auf eine Person oder ein kleines Team, das die Verantwortung tatsächlich trägt. Achten Sie dabei auf die Lizenzbasis dieser Person, denn Agent 365 lässt sich nicht jedem zuweisen (dazu weiter unten). Agenten aus der Zeit vor Mai 2026 laufen vorerst noch ohne Agent ID, lassen sich aber umstellen.
Braucht der Admin, der Agenten verwaltet, eine Lizenz?
Nicht für die Admin-Rolle. Das Verwalten gehört zu den Grundfunktionen: Agenten freigeben, bereitstellen, blockieren, löschen oder einem neuen Besitzer zuweisen kostet nichts.
Missverständnisse entstehen, weil „verwalten" bei Microsoft zweierlei heißt:
- Der Admin verwaltet Agenten technisch, etwa im Microsoft 365 Admin Center. Die Rolle allein löst keine Pflicht aus. Admins mit den Entra-Rollen für Agenten-Identitäten werden beim Anlegen sogar bewusst nicht automatisch Sponsor.
- Der Manager ist die Organigramm-Rolle aus dem Abschnitt über die Verantwortlichen. Er zählt bei Agenten mit eigener Identität zu den Pflichtigen, der Admin nicht.
Ein Admin wird also erst pflichtig, wenn er selbst als Owner, Sponsor oder Manager eingetragen ist. Oder wenn er Agenten so nutzt wie jeder andere Nutzer auch, und darum geht es im nächsten Abschnitt.
Brauchen alle Nutzer eines Agenten eine Lizenz?
Nicht alle, aber mehr, als man denkt. Entscheidend ist der dritte Grundbegriff: wessen Rechte der Agent nutzt.
Leihen Sie einem Agenten Ihre Rechte (OBO), brauchen Sie laut Microsoft selbst eine Lizenz. Das gilt, sobald im Mandanten die erste Agent-365-Lizenz vergeben ist. Und OBO ist der Normalfall. In Copilot Studio laufen die meisten Konnektoren, also die Verbindungen zu Diensten wie Outlook oder SharePoint, genau so. Wer einen typischen Copilot-Studio-Agenten nutzt, leiht ihm in der Regel seine Rechte.
Arbeitet ein Agent dagegen mit eigener Identität, hängt die Pflicht an den Verantwortlichen. Den Menschen, die nur mit ihm chatten, empfiehlt Microsoft die Lizenz. An dieser Stelle widerspricht sich die FAQ.
Zwei Lesarten derselben FAQ
An einer Stelle nennt die Lizenz-FAQ genau zwei Gruppen als Pflicht: die OBO-Nutzer und die Verantwortlichen. Alle anderen stehen unter „empfohlen". An anderer Stelle klingt es strenger. Dort ist die Lizenz Pflicht für alle, die mit Agenten interagieren, sie verwalten oder sponsern. Bedingung ist nur, dass diese Agenten Premiumfunktionen nutzen. Außerdem hänge die Lizenz an der Person, die von den Aktionen eines Agenten profitiert oder für sie verantwortlich ist.
Daraus folgen zwei Lesarten, eine strenge und eine am Wortlaut:
| Wer profitiert, zahlt | Wortlaut der Pflichtliste | |
|---|---|---|
| Grundlage | klassisches Microsoft-Muster, FAQ-Satz „profitiert oder verantwortlich" | ausdrückliche Pflichtliste der FAQ, Beispiel HR-Agent |
| Pflichtig | jeder, dessen Agenten-Nutzung von Premiumfunktionen geschützt wird | OBO-Nutzer und Verantwortliche |
| Wer nur mit einem Agenten eigener Identität chattet | pflichtig | empfohlen |
| Kosten | hoch, praktisch jeder Agenten-Nutzer | geringer, aber nicht klein, weil typische Copilot-Studio-Agenten OBO nutzen |
| Risiko | gering | Microsoft könnte im Zweifel die strenge Lesart anlegen |
Die strenge Lesart ist kein Konstrukt. Sie entspricht dem Muster, das Microsoft seit Jahren anwendet. Ein Beispiel ist Defender for Office 365, Microsofts Schutzdienst für E-Mail. Dort braucht jeder Nutzer eine Lizenz, dessen Postfach vom Schutz profitiert. Bei Purview, Microsofts Werkzeugkasten für Datenschutz und Compliance, ist es ähnlich. Dort sind Lizenzen sogar dann nötig, wenn ein Dienst seinen Nutzen technisch nicht auf einzelne Nutzer begrenzen kann. Bevor Sie sich für eine Lesart entscheiden, sollten Sie wissen, wann Premiumfunktionen überhaupt greifen. Das ist früher, als die meisten erwarten.
Warum die erste Lizenz alles verändert
Mit der ersten Agent-365-Lizenz im Mandanten kippt die Lage. Premiumfunktionen wirken dann nicht nur für die lizenzierte Person, sondern für den ganzen Mandanten. Diesen Zustand nennen wir im Folgenden kurz „Agent 365 ist aktiv".
Drei Dinge passieren von selbst:
- Defender schützt alle verwalteten Agenten. Microsoft Defender, Microsofts Sicherheitsplattform, schaltet mit Agent 365 den Schutz für KI-Agenten selbst ein: Inventar, Sicherheitsbewertung und Angriffserkennung. Der Schalter dafür steht standardmäßig auf „an". Abgedeckt sind Agenten aus Copilot Studio und aus Foundry, Microsofts Entwicklerplattform für KI in Azure. Dazu kommen Agenten aus Agent Builder, dem einfachen Agenten-Baukasten in Copilot, sowie selbst entwickelte Agenten mit Microsofts Entwicklerbaukasten, dem Agent-365-SDK.
- Purview protokolliert mit. Für Agenten, die in Agent 365 angelegt werden, schaltet Purview Überwachung und Datenklassifizierung ein. DLP und die Erkennung riskanten Verhaltens greifen dagegen erst, wenn ein Admin die Agenten in eine Richtlinie aufnimmt.
- Der Schutz hängt am Mandanten, nicht an der Person. Microsoft beschreibt alle Voraussetzungen auf Mandantenebene. Eine technische Begrenzung auf lizenzierte Nutzer haben wir in Microsofts Dokumentation nicht gefunden.
Als erste Lizenz zählt jede Form: ein einzelner Agent-365-Zusatz, eine E7-Lizenz für die Geschäftsführung oder die Testversion mit 25 Plätzen für 30 Tage.
Wir haben das im Oktober 2026 in unserem Testmandanten nachgestellt. Ein Konto mit Microsoft 365 E3 und Copilot, aber ohne Agent 365, rief einen selbst gebauten Agenten auf. Im Überwachungsprotokoll erschienen dazu dieselben Agent-365-Einträge wie bei den lizenzierten Konten. Ob das schon als Premiumfunktion zählt, sagt Microsoft nicht. Es zeigt aber, dass Microsoft hier technisch nicht nach Lizenz unterscheidet.
Eine Stellschraube gibt es. Den Defender-Schutz für Agenten können Sie in den Defender-Einstellungen unter „Security for AI" abschalten. Dann sind alle Sicherheitsfunktionen für KI-Agenten aus. Wer Agent 365 nur für wenige Personen ausprobieren will, verhindert so, dass der Schutz unbemerkt für alle läuft. Die Lizenzfrage erledigt das aber nicht, denn die automatische Protokollierung durch Purview bleibt aktiv. Und es fehlt dann genau der Schutz, für den Agent 365 gedacht ist.
Nicht verwechseln mit einer Ankündigung vom Oktober 2026. Ab Ende November 2026 zeigt das Admin Center Nutzungszahlen auch ohne Agent-365-Lizenz an. Dazu gehören etwa aktive Nutzer und Sitzungen. Das gilt für Agenten von Microsoft und auf Microsoft-Plattformen. Es betrifft aber nur diese Kennzahlen. Schutz- und Risikofunktionen bleiben lizenzpflichtig, an der Pflicht ändert sich nichts.
Ein Gutes hat die Mandantenlogik: Ohne jede Lizenz ist Ausprobieren unbedenklich. Solange im Mandanten niemand Agent 365 oder E7 hat, entsteht keine Agent-365-Pflicht. Ihre Mitarbeiter können frei mit Agenten experimentieren. Die Agenten kosten dann höchstens Copilot Credits, Microsofts Verbrauchseinheiten für KI. Wie sich die zusammensetzen, zeigt der Artikel zu den Kosten von KI-Agenten in Microsoft 365.
Welche Lesart sollten Sie anwenden?
Wir empfehlen vorläufig den Wortlaut der Pflichtliste. Sobald Agent 365 im Mandanten aktiv ist, lizenzieren Sie also alle OBO-Nutzer und alle Verantwortlichen. Für Menschen, die nur mit Agenten eigener Identität chatten, bleibt die Lizenz eine Empfehlung.
Drei Gründe sprechen dafür:
- Es ist Microsofts eigene Pflichtliste. Sie nennt genau diese Gruppen, und ihr Beispiel ist ein Agent, den sehr viele Menschen nutzen.
- Aufstocken ist leichter als Abbestellen. Agent 365 läuft im Jahresabo. Kaufen Sie über einen Microsoft-Partner (CSP), können Sie Lizenzen jederzeit hinzufügen. Reduzieren lassen sie sich nur in den ersten sieben Tagen nach Kauf oder Verlängerung. Wer zu viel kauft, zahlt also ein Jahr lang. Wer zu wenig kauft, kann am nächsten Tag nachbuchen.
- Microsoft selbst nennt die Regel heute schwer umsetzbar. Die FAQ räumt ein, dass es kaum Einblick in die Agenten-Nutzung einzelner Personen gibt.
Der Wortlaut hat aber ein Restrisiko, und das sollten Sie kennen. Die FAQ ist eine Erläuterung, nicht der Vertrag. Verbindlich sind Ihr Lizenzvertrag und Microsofts Produktbedingungen, und die verlangen eine Lizenz für jeden Nutzer, der auf einen Dienst zugreift. Microsoft setzt die Agent-365-Lizenzierung nach eigener Aussage vertraglich durch, wie bei E5. Stellt sich in einer Prüfung die strenge Lesart als richtig heraus, heilt ein Nachkauf die Lücke davor nicht.
So sichern Sie sich ab:
- Dokumentieren Sie Ihre Auslegung. Speichern Sie die FAQ mit Datum, und halten Sie fest, wen Sie warum lizenziert haben.
- Prüfen Sie quartalsweise nach. Microsoft hat die Regeln seit dem Marktstart mehrfach geändert.
- Bauen Sie Agenten nicht um, nur um Lizenzen zu sparen. Manche stellen einen OBO-Agenten auf eigene Identität um, damit seine Nutzer keine Lizenz brauchen. Das kommt dem Bündeln gefährlich nahe, das Microsoft als Multiplexing ausdrücklich verbietet.
Wer gar kein Risiko tragen will, nimmt die strenge Lesart und lizenziert jeden Agenten-Nutzer. Das ist sicher, aber teuer. Der nächste Abschnitt zeigt, warum.
Warum die Voraussetzung teurer ist als die Lizenz
Agent 365 lässt sich nicht jedem Nutzer zuweisen. Microsoft verlangt eine Basislizenz, weil Agent 365 auf deren Sicherheitsfunktionen aufbaut. Neben E5 kommen dafür zwei Zusatzpakete in Frage, die Defender Suite und die Purview Suite. Sie ergänzen eine kleinere Basis um die Sicherheits- und Compliance-Funktionen aus E5:
| Kundengruppe | Berechtigte Basis |
|---|---|
| Unternehmen | Microsoft 365 E5, oder E3 mit Defender Suite und Purview Suite |
| Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) | Microsoft 365 Business Premium |
| Frontline-Beschäftigte (ohne festen Schreibtisch, etwa in Produktion oder Pflege) | Microsoft 365 F1 oder F3 mit der Defender- und Purview-Suite für Frontline |
| Bildungseinrichtungen | Microsoft 365 A5, oder A3 mit der Defender- und Purview-Suite für Bildung |
E7 erfüllt die Voraussetzung von selbst, weil es E5 enthält. Bei Business Premium nennt Microsoft die Defender- und Purview-Suite für KMU keine formale Voraussetzung, ohne sie fehlen aber Funktionen. Für bereits unterschriebene Verträge greift die Voraussetzung erst ab der nächsten Verlängerung.
Microsoft rechnet selbst ein Beispiel vor. Ein Unternehmen hat 5.000 Nutzer mit E3 und Copilot, 1.000 mit E5 und 2.500 Frontline-Beschäftigte mit den passenden Suiten. Agent 365 darf es nur 3.500 Personen zuweisen. Die 5.000 E3-Nutzer mit Copilot sind ausdrücklich nicht berechtigt.
Für einen E3-Nutzer kostet die Agent-365-Pflicht deshalb nicht 13 €. Er braucht zuerst E5, das sind 20,35 € mehr im Monat, dazu 13,00 € für Agent 365. Zusammen sind das rund 33 € je Nutzer und Monat, gut das Zweieinhalbfache des Listenpreises. Gerechnet ist mit den Listenpreisen von Oktober 2026: E3 kostet 37,78 €, E5 58,13 €. Ob sich der Sprung auch sonst lohnt, zeigt der Vergleich von Microsoft 365 E5 und E3.
Daraus entsteht die heikelste Lücke. Ist ein Nutzer pflichtig, aber nicht berechtigt, können Sie ihn gar nicht ordnungsgemäß lizenzieren. Und sie entsteht leicht. Ein E3-Nutzer mit Copilot nutzt einen Copilot-Studio-Agenten mit seinen Rechten, und irgendwo im Mandanten ist Agent 365 aktiv. Dann gibt es nur zwei saubere Wege: die Basis aufrüsten oder diesen Nutzern den Zugang zu den Agenten nehmen.
Wie zählen Sie, wer eine Lizenz braucht?
Microsoft empfiehlt dafür zwei Berichte, die Sie auch ohne eine einzige Agent-365-Lizenz abrufen können. Zusammen mit drei eigenen Prüfungen ergeben sich fünf Schritte:
- Ist Agent 365 im Mandanten aktiv? Suchen Sie im Microsoft 365 Admin Center unter Abrechnung nach Agent 365, E7 und laufenden Testversionen. Ist dort nichts, endet die Prüfung hier, denn niemand ist pflichtig.
- Wer nutzt Agenten? Der Bericht über aktive Agenten-Nutzer liegt unter Berichte → Nutzung im Bereich Microsoft 365 Copilot → Agenten. Er zeigt, wer in den letzten 30 Tagen Agenten genutzt hat, und lässt sich exportieren.
- Wer ist verantwortlich? Unter Agenten → Alle Agenten zeigt das Agenten-Register die Besitzer aller Agenten, auch die von Drittanbietern. Prüfen Sie zusätzlich in Entra die Sponsoren, denn dort stehen auch Gruppen.
- Ist die Basis berechtigt? Gleichen Sie jede pflichtige Person mit der Tabelle oben ab. Wer nicht berechtigt ist, braucht eine Aufrüstung oder keinen Zugang zu geschützten Agenten.
- Entscheiden Sie den Defender-Schalter bewusst. Er ist der größte Teil dessen, was sich automatisch für alle einschaltet. Lassen Sie ihn an, sollten alle Pflichtigen lizenziert sein.
Die Schritte 3 und 4 kosten im Admin Center die meiste Zeit, weil Besitzer und Lizenzen an verschiedenen Stellen stehen. LessLicense listet Ihre Copilot-Studio-Agenten mit ihren Besitzern und zeigt je Person, welche Lizenzen sie hält. So sehen Sie an einer Stelle, bei welchen Besitzern die Basis für Agent 365 reicht und bei welchen nicht. Das klären Sie besser, bevor Sie Lizenzen für ein ganzes Jahr kaufen.
FAQ
Ist Agent 365 in Microsoft 365 E5 enthalten?
Nein. Agent 365 steckt nur in Microsoft 365 E7. E5 ist aber eine der Voraussetzungen, um Agent 365 als Zusatz kaufen zu können. Für E5-Nutzer kommt es also obendrauf.
Braucht jeder Nutzer von Microsoft 365 Copilot auch Agent 365?
Nein. Copilot ist die KI, mit der Mitarbeiter arbeiten. Agent 365 regelt, was Agenten dürfen. Microsoft empfiehlt die Lizenz zwar auch für Copilot-Nutzer, Copilot allein macht aber niemanden pflichtig.
Was kostet Microsoft 365 E7?
E7 kostet 91,92 € je Nutzer und Monat im Jahresabo. Die Fassung für den Europäischen Wirtschaftsraum ohne Teams kostet 84,51 € (Listenpreise zzgl. MwSt., Stand Oktober 2026). Neben E5, Copilot und Agent 365 enthält E7 auch die Entra Suite für erweiterte Identitäts- und Netzwerkfunktionen. Für Agent 365 selbst fallen bisher keine verbrauchsabhängigen Kosten an.
Was passiert, wenn ein Nutzer ohne Lizenz einen geschützten Agenten nutzt?
Technisch zunächst nichts, eine Sperre für einzelne Nutzer beschreibt Microsoft nicht. Microsoft wertet das aber als Verstoß gegen die Lizenzbedingungen: Die Aktivität hat dann keinen Anspruch auf den Schutz von Agent 365. Auffallen würde das bei einer Lizenzprüfung.
Kann ich Agent 365 gefahrlos testen?
Ja, wenn Sie wissen, was der Test auslöst. Die Testversion schaltet die Premiumfunktionen für den ganzen Mandanten ein, nicht nur für die Testplätze. Testen Sie deshalb in einem eigenen Testmandanten, oder entscheiden Sie den Defender-Schalter vorher bewusst.