Enterprise Agreement zu CSP: was sich vertraglich ändert
Beim Wechsel vom Enterprise Agreement (EA) ins CSP (Cloud Solution Provider) tauschen Sie zwei Rechte gegen eine Bindung. CSP heißt dabei schlicht: Sie kaufen dieselben Microsoft-365-Lizenzen nicht mehr direkt bei Microsoft, sondern bei einem Partner, der bestellt, abrechnet und Ihr Ansprechpartner wird. Am Produkt ändert sich nichts, am Vertrag alles.
Sie verlieren die Preisfixierung über drei Jahre und den True-Up, also das Recht, unterjährig zu wachsen und die zusätzlichen Lizenzen erst einmal im Jahr nachzumelden und zu bezahlen. Dafür binden Sie sich an eine Lizenzmenge, die Sie nach sieben Kalendertagen bis zur nächsten Verlängerung nicht mehr senken können.
Abgeschafft wird das EA dabei nicht. Microsoft bietet kleineren Organisationen bei der Verlängerung nur kein neues mehr an und verweist sie auf den Kauf über einen CSP-Partner oder, bei sehr großen Häusern, auf den Direktvertrag mit Microsoft. Der Vertragsrahmen ist in beiden Fällen derselbe, der MCA (Microsoft Customer Agreement). Unterschiedlich ist nur, ob ein Partner dazwischensteht.
Dieser Leitfaden listet beide Seiten dieses Tauschs auf: was am Tag des Wechsels erlischt und was neu entsteht. Die reinen Preisbeträge der Runde vom 1. Juli 2026 stehen in einem eigenen Beitrag zur Microsoft 365 Preiserhöhung 2026.
Wird das Enterprise Agreement wirklich abgeschafft?
Nein. Microsoft veröffentlicht die Vertragsdokumente für das EA und seine beiden Anbauten weiterhin, zuletzt in der Fassung Juli 2026: das Enterprise Subscription Enrollment als Miet- statt Kaufvariante und das Server and Cloud Enrollment für Serverprodukte. Auch die offizielle EA-Programmseite steht unverändert online. Das Programm existiert also.
Verändert hat sich die Vertriebspraxis bei der Verlängerung, nicht der Vertragsrahmen. Diese Unterscheidung ist im Gespräch mit einem Reseller mehr wert als jede Frist, denn sie entscheidet darüber, ob Sie verhandeln oder nur noch unterschreiben.
Im Umlauf sind drei Zahlen, und sie bedeuten drei verschiedene Dinge.
| Zahl | Was sie wirklich ist |
|---|---|
| 500 | Microsofts offizielle EA-Mindestgröße, unverändert auf der Programmseite. Die Untergrenze von 250 für den öffentlichen Sektor nennt Microsofts EA-Lizenzierungsguidance |
| 2.400 | Keine Zugangsschwelle, sondern die Untergrenze der früheren Rabattstufe Level B |
| 3.000 | Taucht in deutschen Partner-Beiträgen als angebliche neue Mindestgröße auf. Von Microsoft nie veröffentlicht |
Was Microsoft tatsächlich und öffentlich angekündigt hat, ist etwas anderes: das Online Services Pricing Consistency Update vom 12. August 2025, wirksam zum 1. November 2025. Darin fallen die Rabattstufen, nicht das Programm.
Eine veröffentlichte Regel darüber, wer sein EA noch verlängern darf, gibt es dagegen nicht. Weder der Newsfeed von Volume Licensing Central, Microsofts Nachrichtenkanal für Vertragskunden, noch die Ankündigungen im Partner Center, dem Portal der Reseller, zu dem Kunden keinen Zugang haben, enthalten sie. Wenn Ihnen jemand eine harte Schwelle nennt, beschreibt er Vertriebspraxis, und die ist verhandelbar.
Wen der Wegfall der EA-Rabattstufen wirklich trifft
Der Wegfall trifft erst Organisationen ab rund 2.400 Nutzern. Alle darunter zahlten auch vorher schon den vollen Listenpreis und verlieren deshalb keinen Cent.
Dahinter steckt eine Mechanik, die kaum jemand erklärt. Im Enterprise Agreement zahlten nicht alle Kunden denselben Preis. Microsoft sortierte jede Organisation nach ihrer Nutzerzahl in eine von vier Preisstufen, Level A bis D, und jede Stufe brachte einen festen prozentualen Rabatt auf den Listenpreis. Wer wuchs, rutschte automatisch in die nächste Stufe und zahlte je Lizenz weniger.
Entscheidend ist die unterste Stufe: Level A war der Listenpreis selbst, also Rabatt null. Erst ab Level B gab es überhaupt einen Nachlass.
| Preisstufe | ab wie vielen Nutzern | Rabatt auf den Listenpreis |
|---|---|---|
| Level A | 500 | 0 Prozent, das ist der Listenpreis |
| Level B | 2.400 | rund 6 Prozent |
| Level C | 6.000 | rund 9 Prozent |
| Level D | 15.000 | bis zu 12 Prozent |
Zum 1. November 2025 hat Microsoft die Stufen B, C und D gestrichen. Alle Kunden zahlen seither den Listenpreis, also das, was vorher Level A war.
Daraus folgt eine Rechnung, die in der deutschen Berichterstattung fehlt. Wer unter 2.400 Nutzern lag, stand bereits auf Level A und damit ohnehin auf dem Listenpreis. Es kann ihm nichts gestrichen werden, was er nie hatte.
Die oft zitierten 6 bis 12 Prozent sind also der weggefallene Rabatt der oberen drei Stufen, keine allgemeine Preiserhöhung. Sie treffen nur Organisationen ab etwa 2.400 Nutzern, und die vollen 9 oder 12 Prozent verlangen sogar 6.000 beziehungsweise 15.000 Nutzer. Für den Mittelstand sind diese beiden Werte gegenstandslos.
Neben diesen festen Stufen gab es individuell ausgehandelte Nachlässe. Die kamen obendrauf, auch auf Level A, standen aber im eigenen Vertrag und nicht im Programm. Auch dort holte heraus, wer größer war.
Wie viel Nachlass in Ihrem Preis steckt, lässt sich bei den großen Suiten grob nachrechnen. Vergleichen Sie den Preis je Nutzer und Monat auf Ihrem Preisblatt, also der Preisliste, die Ihrem Vertrag anhängt, mit dem Listenpreis, der bei Vertragsbeginn galt. Nicht mit dem heutigen: Ihr Preis war eingefroren, der Listenpreis ist zum 1. Juli 2026 gestiegen, und diese Differenz wäre kein Rabatt. Was übrig bleibt, ist Ihr ausgehandelter Nachlass. Für Add-ons und Step-ups, also das Aufzahlen vom kleineren auf das größere Produkt, funktioniert der Vergleich nicht, dafür veröffentlicht Microsoft keine Einzelpreise.
Und wer heute unter 500 Nutzern liegt, bekommt seit 2016 ohnehin kein neues EA mehr. Microsoft hat die kommerzielle Mindestgröße damals von 250 auf 500 angehoben. Bestandskunden darunter durften ihren laufenden Vertrag noch einmal um 36 Monate verlängern, danach war Schluss; dieser Bestandsschutz ist heute ausgelaufen. Im öffentlichen Sektor liegt die Grenze bis heute bei 250. Ein guter Teil der Dringlichkeit wird also an Leute verkauft, für die sie so nicht gilt.
Nennt Ihnen jemand eine Prozentzahl, ist die nützlichste Rückfrage deshalb: auf welcher Stufe standen wir vorher? Die Antwort steht auf Ihrem Preisblatt.
Zwei Abgrenzungen zur Streichung der Stufen werden häufig falsch wiedergegeben. Von ihr ausgenommen sind laut Microsoft ausschließlich zwei Preislisten, die der US-Regierung und die weltweite für Bildungseinrichtungen. Deutsche Bildungseinrichtungen fallen damit unter die Ausnahme. Für deutsche Behörden und kommunale Auftraggeber gilt sie dem Wortlaut nach nicht, hier lohnt vor der Verlängerung eine schriftliche Bestätigung des zuständigen Account-Teams. Unberührt bleibt außerdem die On-Premises-Software, die Änderung gilt nur für Online Services.
Welche Vertragsrechte beim Wechsel vom EA ins CSP wegfallen
Sechs Rechte fallen weg. Die Tabelle zeigt je Zeile, was im CSP an ihre Stelle tritt.
Ein Begriff dazu, weil er ab hier ständig vorkommt: NCE (New Commerce Experience) ist nicht der Einkaufsweg, sondern das Regelwerk dahinter. CSP bestimmt, bei wem Sie kaufen, NCE bestimmt Laufzeiten, Kündigungsfenster und Preisbindung. Seit 2022 verkauft Microsoft im CSP ausnahmslos danach.
| Im Enterprise Agreement | Im CSP unter NCE |
|---|---|
| Preisfixierung über die volle Laufzeit von drei Jahren | Preisschutz nur innerhalb der laufenden Laufzeit. Bei Verlängerung, Upgrade oder Laufzeitwechsel greift der neue Preis sofort und vollständig |
| True-Up: Wachstum unterjährig, Meldung und Zahlung einmal jährlich, im Fenster 60 bis 30 Tage vor dem Vertragsjahrestag | Entfällt. Lizenzen lassen sich jederzeit erhöhen, erscheinen aber sofort auf der nächsten Rechnung statt gebündelt einmal im Jahr |
| Rabattstufen A bis D nach Organisationsgröße, im Programm fest hinterlegt und automatisch | Ein Preis je Markt und Währung. Nachlass entsteht nur noch aus Partnermarge, Aktionen oder Verhandlung, ohne Anspruch bei der nächsten Verlängerung. Im EA sind die Stufen seit dem 1. November 2025 allerdings ebenfalls fort, hier verlieren Sie also nichts, was Sie heute noch hätten |
| SA (Software Assurance), das Wartungspaket auf gekaufte Software mit Anspruch auf neue Versionen und Zusatzrechten, war im EA enthalten | Wird als Produkt im CSP nicht verkauft. Server-Software gibt es dort als Server-Subscription, also Miete auf Zeit, oder als Perpetual-Lizenz, den Einmalkauf mit dauerhaftem Nutzungsrecht |
| Direkter Draht zu Microsoft bei Support und Vertragskommunikation | Läuft über den Partner. Solange Sie ausschließlich über CSP beziehen, ist das Anlegen eigener Support-Tickets bei Microsoft gesperrt; halten Sie daneben noch ein direkt bezahltes Abonnement, bleibt der Weg zu Microsoft offen. Der Partner darf für die Bearbeitung Geld verlangen |
| Ein planbarer Rhythmus für die ganze Organisation, drei Jahre, ein Termin | Laufzeit je Abonnement, je nach SKU 1, 12 oder 36 Monate. Welche Laufzeiten es überhaupt gibt, legt Microsoft je Produkt fest, Intune etwa hat keine Monatslaufzeit. Enddaten lassen sich angleichen, zwingend ist das aber nicht |
Das EA ist dabei nur einer von mehreren Volumenlizenzverträgen, also Rahmenverträgen für den Direkteinkauf größerer Mengen. Die Nachbarprogramme Open Value und MPSA laufen für Neuabschlüsse ebenfalls aus. Für den Mittelstand ist CSP der Standardweg.
Eine Ergänzung zur Zeile Software Assurance, weil dort oft zu früh abgebrochen wird. Dass es SA im CSP nicht als Produkt gibt, heißt seit dem 1. April 2026 nicht mehr, dass alle SA-Rechte fehlen: Server-Subscriptions über CSP unter dem MCA erhalten seither License-Mobility-Rechte, also das Recht, gekaufte Server-Lizenzen in ein fremdes Rechenzentrum wie Azure oder AWS mitzunehmen. Das gab es vorher nur mit SA.
Vollständig gilt das für SQL Server. Bei Windows Server ist das Grundprodukt selbst nicht erfasst, sondern nur einzelne Komponenten, etwa RDS-CALs, die Zugriffslizenzen für Remotedesktop, und External Connectors, die Pauschallizenz für den Zugriff externer Nutzer. Welche genau, steht in einer FAQ, die Microsoft nur im Partner Center veröffentlicht, lassen Sie sich den Umfang deshalb vom Partner schriftlich bestätigen. Perpetual-Lizenzen aus dem CSP bekommen diese Rechte nicht.
Der MCA, die Vertragsgrundlage im CSP, enthält im Übrigen weiterhin eine Prüfklausel. Microsoft kann die Vertragstreue mit 30 Tagen Vorankündigung prüfen lassen, zunächst auf eigene Kosten. Bei Unterlizenzierung ist binnen 30 Tagen nachzulizenzieren, und ab einer Unterlizenzierung von 5 Prozent trägt der Kunde zusätzlich die Prüfkosten. Was dabei geschuldet ist und wie so ein Ablauf aussieht, steht im Leitfaden zum Microsoft 365 Lizenzaudit.
Welche Bindungen im CSP unter NCE neu entstehen
Hier kippt die verbreitete Erzählung, CSP sei flexibler als das EA. In einer Richtung stimmt sie, in der anderen nicht.
Nach einem Kauf gibt es genau zwei Ausstiege: das Abonnement ganz kündigen, oder die bestellte Menge senken. Beide Fenster betragen sieben Kalendertage, also 168 Stunden.
Sie starten unterschiedlich. Die Kündigung läuft ab dem Beginn jeder Laufzeit, die Mengenreduktion dagegen ab dem Zeitpunkt, an dem die jeweiligen Lizenzen hinzukamen. Erstattet wird taggenau anteilig. Die häufig genannten 72 Stunden gelten für Microsoft-365-Plätze nicht mehr, sie betreffen heute nur noch Angebote aus dem Microsoft-Marktplatz, also Software von Drittanbietern.
Nach diesen sieben Tagen ist Schluss. Weder Kündigung noch Reduktion sind möglich, der volle Laufzeitbetrag wird fällig. Wichtig dabei: Eine Lizenz beim Nutzer abzuziehen senkt die Rechnung nicht, das ist ein eigener Vorgang mit eigenen Fristen, siehe Microsoft 365 Lizenz entziehen. Das gilt unabhängig vom Zahlungsplan und unabhängig davon, ob der Dienst überhaupt genutzt wird. Auch eine Sperrung des Abos befreit nicht von der Zahlung.
Nach oben bleibt alles offen. Seats lassen sich jederzeit mitten in der Laufzeit zukaufen, zum Preis des bestehenden Abos und mit gemeinsamem Enddatum. Genau darin liegt die Asymmetrie: Das EA erlaubte über den True-Up das Nachmelden, NCE erlaubt das Erhöhen ebenfalls, aber eben nur das.
Vier Regeln zum Fenster, die regelmäßig Geld kosten:
- Jede Lizenz-Zugabe hat ihr eigenes Fenster. Die sieben Tage laufen ab dem Zeitpunkt, an dem die Lizenzen hinzugefügt wurden, ob beim Erstkauf, bei der Verlängerung oder unterjährig.
- Die Verlängerung öffnet ein neues Fenster, exakt sieben Tage ab ihrem Abschluss. Abwarten müssen Sie es nicht: Eine Mengenreduktion lässt sich beim Partner schon vorher als geplante Änderung zur Verlängerung hinterlegen. Das ist der ruhigere Weg.
- Eine Änderung von Laufzeit oder Abrechnungsfrequenz öffnet kein neues Fenster. Reduktion und Kündigung bleiben bis zur Verlängerung gesperrt.
- Upgrades haben in der Regel kein eigenes Fenster. Der Sprung von Microsoft 365 E3 auf E5 ist nach dem Absenden nicht mehr rückgängig zu machen. Eine Ausnahme: Wird nur ein Teil der Plätze umgestellt, erbt das neue Abo das noch laufende Fenster des Ausgangsabos.
Zwei Stellschrauben werden hier oft verwechselt: die Laufzeit, also wie lange Sie gebunden sind, und die Zahlweise, also wann Sie zahlen. Beide kosten getrennt. Wer sich kürzer binden will, zahlt das über die Laufzeit: Die echte Monatslaufzeit liegt rund 20 Prozent über dem Jahrespreis, ableitbar aus den Listenpreisen: Business Standard 12,13 Euro im Jahresabo gegen 14,56 Euro monatlich, Business Premium 19,06 gegen 22,87 Euro je Nutzer und Monat, netto, Stand 19. August 2026. Seit dem 1. April 2025 kommen 5 Prozent Aufschlag dazu, wenn Sie eine gebundene Laufzeit, ein Jahr oder drei Jahre, monatlich statt im Voraus bezahlen wollen. Das ist reine Cashflow-Bequemlichkeit, und sie kostet.
Ein Deckel wird beim Wechsel gern übersehen: Die Microsoft-365-Business-Suiten sind auf 300 Lizenzen begrenzt, und zwar zusammengezählt über Basic, Standard und Premium hinweg sowie über alle Einkaufskanäle. Welche Kombinationen darüber hinaus zulässig sind, behandelt der Leitfaden Microsoft 365 Lizenzen kombinieren.
Reicht es, die automatische Verlängerung abzuschalten?
Nein, und das ist die jüngste und teuerste Änderung. Seit dem 4. Mai 2026 beendet das Abwählen von Auto-renew ein Abonnement nicht mehr.
Betroffen sind Abos mit gebundener Laufzeit, also die Jahres- und Dreijahresabos, die zwischen dem 1. April 2025 und dem 4. Mai 2026 gekauft oder verlängert wurden und deren Laufzeit nach dem 4. Mai 2026 endet. Bei einem solchen Abo wird die Einstellung binnen 24 Stunden automatisch zurückgesetzt. Das Abo wandert in einen kostenpflichtigen EST (Extended Service Term). Der kostet den Monatstarif der SKU plus 3 Prozent. Gibt es für die SKU gar keinen Monatstarif, sind es 23 Prozent auf den abgeleiteten Monatspreis, rechnerisch also der übliche Monatsaufschlag von 20 Prozent plus dieselben 3 Prozent. Abgerechnet wird monatlich und taggenau anteilig, kündbar ist er jederzeit. Er ist damit die einzige Konstellation, in der eine Kündigung außerhalb des Sieben-Tage-Fensters funktioniert.
Bis dahin gab es nach dem Laufzeitende eine kostenlose Nachlauffrist: Der Dienst lief noch eine Weile weiter, ohne dass abgerechnet wurde, und man konnte in Ruhe nachbestellen. Zum 4. Mai 2026 hat Microsoft sie für alle Abos gestrichen, die für den EST infrage kommen. Am Laufzeitende bleiben dann drei Wege: verlängern, zum Stichtag ausdrücklich beenden, oder in den EST gehen.
Praktisch heißt das: Das Häkchen wegzunehmen ist keine Kündigung mehr. Eine echte Beendigung verlangt eine ausdrückliche Kündigungsanweisung. Solange ein Abo im EST läuft, sind Mengenänderung, Laufzeitänderung und Wechsel des Abrechnungsplans gesperrt.
Wie der Wechsel vom EA ins CSP technisch abläuft
Es gibt zwei Wege, und die Kanalübertragung ist in aller Regel der richtige. Welchen Sie nehmen, entscheidet vor allem darüber, ob Sie eine Zeit lang doppelt zahlen.
Die Kanalübertragung, im Partner Center Verlängern an CSP genannt, ist der bequeme Weg. Sie richtet den Starttermin des neuen Abos am Enddatum der auslaufenden EA-Abos aus und senkt damit laut Microsoft die Wahrscheinlichkeit doppelter Dienste und doppelter Abrechnung. Der Partner sieht dafür EA-Verträge, die in den letzten 90 Tagen abgelaufen sind oder in den nächsten sechs Monaten enden. Die Verarbeitung dauert bis zu 72 Stunden, bei bereits abgelaufenen Verträgen bis zu 96 Stunden. Der Weg gilt nur für kommerzielle SKUs, der öffentliche Sektor muss manuell umziehen.
Zwei Regeln dazu: Erst unverändert nach CSP verlängern, dann upgraden. Wer gleich auf die Wunsch-SKU springt, verlässt den Übertragungspfad und landet im manuellen Neukauf, mit allen Fristen und Risiken, die gleich folgen. Und die Übertragung selbst lässt sich nicht zurückdrehen. Das dabei entstehende CSP-Abo hat aber wie jedes neue Abo sein Sieben-Tage-Fenster.
Der manuelle Neukauf aus dem CSP-Katalog ist der andere Weg. Er funktioniert nur für allgemein verfügbare SKUs, Auslaufartikel gehen ausschließlich über die Kanalübertragung. Der erste teure Fehler betrifft die Bereitstellungs-ID, die Teilenummer, unter der Microsoft ein Produkt führt. Die des neuen CSP-Abos muss exakt der des alten EA-Abos entsprechen. Weicht sie ab, behandelt Microsoft das als anderes Produkt, und alle Nutzerlizenzen müssen neu zugewiesen werden.
Der zweite betrifft die Frist, und die ist nicht die des CSP. Für Volume-Licensing-Kunden nennt Microsoft nach dem Ende des Abos 90 Tage, in denen der Dienst weiterläuft, und danach eine Phase, in der nur noch Administratoren an die Daten kommen. Das ist nicht die CSP-Nachlauffrist aus dem vorigen Kapitel, die es für die betroffenen Abos seit dem 4. Mai 2026 nicht mehr gibt. Wird in dieser Frist nicht neu gekauft, drohen Datenverluste.
Drei Randbedingungen verzögern Projekte regelmäßig:
- Ein Abonnement mit einem aktiven Microsoft Azure Consumption Commitment, also einer vertraglich zugesagten Azure-Mindestabnahme über mehrere Jahre, lässt sich weder kündigen noch übertragen, solange diese läuft. Azure ist ohnehin ein eigener Prozess und nicht Teil der Seat-Übertragung.
- Läuft Ihr EA in einer verlängerten Laufzeit (EPT, Extended Period Term), also der befristeten Weiterführung nach dem eigentlichen Vertragsende, ist der CSP-Pfad zugelassen. Nicht zu verwechseln mit dem EST weiter oben. Diese Phase hat ein Ausstiegsdatum, und genau darauf muss die Verlängerung gelegt werden, sonst laufen EA-Abo und CSP-Abo parallel.
- Die Verlängerung ist je Abonnement definiert. Ein Kunde kann bei mehreren Partnern verlängern. Hat ein Partner etwas eingeplant, sehen andere Nicht verfügbar, und Microsoft schlichtet solche Fälle ausdrücklich nicht.
Was der CSP-Partner an Ihrer Entscheidung verdient
Das gehört offen gesagt, weil es die Beratung prägt, die Sie in dieser Phase bekommen. Ein CSP-Partner verdient an Ihrer Lizenzmenge doppelt: an der Marge zwischen Einkaufs- und Rechnungspreis und an Microsofts Incentives, deren größter Block sich am abgerechneten Umsatz bemisst. Mehr Plätze heißen also mehr Marge. Ein langlaufender Vertrag mit hoher Seat-Zahl sichert diesen Umsatz über Jahre, weil Sie die Menge bis zur Verlängerung nicht mehr senken können.
Daraus folgt kein Vorwurf, aber eine nüchterne Erwartung: Wer den Wechsel begleitet, hat selten ein wirtschaftliches Interesse daran, vorher Ihren Lizenzbestand zu kürzen. Rechnen Sie deshalb damit, dass die Bestandsaufnahme vor dem Wechsel eine Inventarisierung der gebuchten Dienste ist und keine Messung der tatsächlichen Nutzung pro Kopf.
Die brauchbarste Prüffrage an einen Kandidaten lautet deshalb, noch bevor über Preise gesprochen wird: Gehen Sie unsere Lizenzen Zeile für Zeile durch und sagen uns, was wir einstellen sollen? Wer dieser Frage ausweicht, verkauft Ihnen Menge.
Der konstruktive Teil wird ebenfalls kaum erwähnt: Sie sind nicht an einen einzigen Partner gebunden. Abonnements lassen sich auf mehrere Partner verteilen, und ein Wechsel ist auch mitten in der Laufzeit vorgesehen. Er hat zwei Haken: Die Transfer-Anfrage stellt der neue Partner, und der bisherige muss zustimmen. Restlaufzeit und Kündigungsbedingungen wandern unverändert mit, ein neues Kündigungsfenster entsteht nicht. Nach dem Wegfall der programmatischen Rabatte ist das der wesentliche Preishebel, der Ihnen bleibt.
Was Sie vor der Unterschrift messen müssen
Die Unterschrift friert Ihre Lizenzmenge für die gewählte Laufzeit ein, in der Regel 12 oder 36 Monate. Damit wird jede heute überflüssige Lizenz zu einem Betrag, der bis zum Ende der Laufzeit weiterläuft.
Das EA hat über Jahre zu einem Reflex erzogen: im Zweifel großzügig kaufen, per True-Up jährlich nachmelden. NCE dreht diesen Reflex um. Wer mit den Karteileichen aus dem EA in einen Jahresvertrag geht, friert sie mit ein. Das gilt auch für doppelt bezahlte Add-ons, die seit dem Juli-2026-Repackaging in den Suiten stecken.
Die Bestandsbereinigung gehört deshalb vor die Umstellung, nicht danach. Der zweitbeste Zeitpunkt ist das Sieben-Tage-Fenster nach der nächsten Verlängerung, und weil in Kalendertagen gerechnet wird, sind das faktisch fünf Arbeitstage.
Ein Lizenzbericht hilft dabei nur begrenzt. Er zeigt, wer eine Lizenz hat, nicht ob sie genutzt wird. Welche acht Posten in der Praxis das meiste Geld binden, steht im Leitfaden Microsoft 365 Lizenzkosten senken. Wie sich eine zu große Lizenz danach ohne Datenverlust herunterstufen lässt, zeigt der Leitfaden Microsoft 365 Lizenz downgraden.
Genau diese Nutzungsmessung pro Nutzer nimmt LessLicense automatisch und read-only vor, auf Basis von über 80 realen Datenpunkten je Kopf, und macht daraus eine priorisierte Empfehlung mit konkretem Einsparbetrag. Für diese Frage relevant: Das Vertragsmodell wird hinterlegt, vom EA über das Microsoft Products and Services Agreement bis zu CSP unter NCE. Bei den Modellen, die eine Mengenreduktion erst zur Verlängerung erlauben, stellt LessLicense den Abbau ungenutzter Lizenzbestände nicht als sofort umsetzbar dar. Sie hält ihn bis zum Verlängerungstermin zurück, sobald Vertragsart und Verlängerungsdatum gepflegt sind. Die Auswertung zeigt außerdem, welcher Teil der Ersparnis erst dann kassenwirksam wird. Alles läuft in Ihrem eigenen Netzwerk, Nutzungsdaten verlassen den Tenant nicht. Wie der Ablauf aussieht, steht unter So funktioniert es.
FAQ
Wird das Microsoft Enterprise Agreement abgeschafft?
Nein. Microsoft veröffentlicht die EA-Vertragsdokumente weiterhin, zuletzt in der Fassung Juli 2026, und die Programmseite steht unverändert online. Geändert hat sich die Praxis bei der Verlängerung: Kleineren Organisationen bietet Microsoft bei Vertragsende kein neues EA mehr an und verweist auf CSP oder den Microsoft Customer Agreement. Eine veröffentlichte Regel dazu, wer noch verlängern darf, gibt es nicht.
Ab wie vielen Nutzern bekomme ich noch ein Enterprise Agreement?
Microsoft nennt offiziell weiterhin 500 Nutzer oder Geräte, im öffentlichen Sektor 250. Die vielzitierten 2.400 sind keine Mindestgröße, sondern die Untergrenze der früheren Rabattstufe Level B, und die in deutschen Beiträgen verbreiteten 3.000 hat Microsoft nie veröffentlicht. In der Praxis entscheidet Microsoft von Fall zu Fall. Eine veröffentlichte Größengrenze für die Verlängerung gibt es nicht, wer Ihnen eine nennt, beschreibt Vertriebspraxis.
Kann ich im CSP-Vertrag Lizenzen wieder reduzieren?
Anders als im Enterprise Agreement gibt es dafür kein jährliches Fenster mehr. Im CSP haben Sie sieben Kalendertage ab dem Zeitpunkt der Lizenz-Zugabe, danach ist die Menge bis zur Verlängerung vertraglich festgeschrieben. Das ist der eigentliche Tausch: Der True-Up erlaubte im EA nur das Nachmelden nach oben, im CSP gilt die Sperre nach unten dafür sofort. Eine Sperrung des Abos hilft nicht, sie stoppt die Abrechnung nicht.
Reicht es, die automatische Verlängerung abzuschalten, um zu kündigen?
Nein, seit dem 4. Mai 2026 nicht mehr. Bei einem dafür infrage kommenden Abo wird die Einstellung binnen 24 Stunden zurückgesetzt und das Abo in einen kostenpflichtigen Extended Service Term überführt, zum Monatstarif plus 3 Prozent. Eine echte Beendigung verlangt eine ausdrückliche Kündigungsanweisung zum Laufzeitende.
Verliere ich beim Wechsel die Software Assurance?
Software Assurance wird als Produkt im CSP nicht verkauft, On-Premises-Software gibt es dort als Server-Subscription oder als Perpetual-Lizenz. Einzelne früher SA-exklusive Rechte sind aber seit dem 1. April 2026 in CSP-Server-Subscriptions unter dem Microsoft Customer Agreement enthalten, namentlich License Mobility. Für SQL Server gilt das vollständig. Bei Windows Server ist das Grundprodukt nicht erfasst, sondern nur einzelne Komponenten wie RDS-CALs (Remote Desktop Services Client Access Licenses) und External Connectors; den genauen Umfang sollten Sie sich vom Partner bestätigen lassen.